Arbeitstitel Zukunft – erschienen April 2014 im Magazin MARKETING!

 

Wir streben alle nach der Zukunft, und wenn man eingeladen wird, darüber im Rahmen eines Magazins namens Marketing zu schreiben, sollte man sich wohl eher auf Aspekte konzentrieren, die die Leserschaft vermutlich interessieren würde. Und doch, wenn man die Zukunft als Weiterentwicklung unserer Gegenwart begreift, endet man schnell in der Wunschvorstellung einer heilen Welt. Oder in der Dramatik einer Dystopie, in der die Überwachungstendenzen, die wir als drohendes Damoklesschwert über unserer Privatsphäre schwebend empfinden denjenigen zum Artus schlägt, der den Stein knackt. Metaphorisch gesprochen, wenn Sie wissen was ich meine. Auch wenn das realistisch drohende Szenario des gläsern gewordenen Menschen die Freiheit zur Farce verwandeln könnte, es bringt Scherben mit sich, wenn die Überwacher damit übertreiben. Und Scherben können gefährlich sein.

 

Trotzdem. Zukunft kann mehr. Logisch vorhersehbaren Entwicklungen gibt es zuhauf, wie zum Beispiel die fortschreitende technische Miniaturisierung und dem daraus resultierenden Eindringen von Devices in unseren Alltag, ein neues tragbares Zeitalter, das wir schon heute durch Smartphones und Gadgets aufdämmern sehen. In den Freiräumen des Internets erscheint nichts unmöglich oder undenkbar, sogar die bereits viel visualisierte Virtual Reality, die den Mensch in die Stufe einer neuen gestalterischen Freiheit erheben kann, wird bereits erprobt. – Doch das hat mit Marketing an sich recht wenig zu tun.

 

Die Zukunft liegt jedoch mit einiger Gewissheit noch mehr als in der Gegenwart in der Welt der Information. Mit digitale Einheiten, zusammengepfercht auf Chip und Datenspeicher, lässt sich immer mehr die Individualität des Menschen beschreiben, und zwar vor allem mit Daten, die das jeweilige Individuum selbst in das große Ganze einpflegt hat. „User Generated Content“ ist der Gral unserer Zeit, und doch verzweifeln schon heute Unternehmen ob der Flut an Informationen – vielleicht kennen Sie das auch schon aus Ihrer eigenen Praxis. Ohne System werden diese Zutaten ein Eintopf, püriert und wie Martini gut geschüttelt, aber auch ziemlich verwirrend.

 

Eine Zukunft, an deren Haustür wir gerade klopfen, ist das semantische Web. Informationen werden so zusätzlich mit Qualitäten versehen um Computer verstehen zu lassen, was damit eigentlich gemeint ist. Und wenn die das kapiert haben, können wir ihnen Fragen stellen. Voll Science Fiction quasi – Marketingexperten werden das Web 3.0 nennen, auch wenn dieser Begriff genau wie Web 2.0 nicht mehr als nur eine Klangschale bleiben wird.

 

Mensch versus Device. Device versus Information – zukünftig zieht sich hier also eine weitere Ebene ein, die dem Mensch durch das Device erst ermöglicht, Informationen zu verstehen. Natürlich, es wird eine Metaebene sein und hinter dem Interface unsichtbar bleiben – und doch verändert es die Grundlage, wie wir mit Daten umgehen können. Es wird in dieser schönen, neuen Welt der Information nötig sein, eben jene Interfaces neu zu definieren die wir benutzen um komplexe Zusammenhänge einfach aufzubereiten und den Input trotz dieser Komplexität einfacher zu gestalten. Diese neue Informationswelt wird mehr denn je vor allem eines als Antwort auf diese Entwicklungen benötigen: Design.

 

Der Mensch ist neugierig. Emotional. Visuell orientiert. Die Grundsätze und Prinzipien, nach denen Medien und Präsentation Inhalte und Emotionen vermitteln, wird sich auch in einer fernen Zukunft nicht ändern. Was heute als kollektiver Aspekt Print, Webdesign, 3D Visualisierungen und Videoproduktionen vereint, ist morgen auch für die Zukunftstechnologien evident: der Mut, sich bereichsübergreifend auf Neues einzulassen, Technologien zu erproben und aufbauend zu verbinden.

 

Und gerade in Hinblick darauf, mit wie viel Zögern und angstvoller Vorsicht hier Unternehmen und Organisationen die neuen Möglichkeiten des World Wide Webs und der Mobilität seiner User eben leider ungenutzt lassen, kann man nur zu einem zwingenden Schluss kommen: die Zukunft ist jetzt. Nutzen Sie sie.

Philipp Hummer, www.ninc.at // 2014

 

 

zur Person:

Philipp Ka Hummer

1979 geboren // Wels, Oberösterreich // Land und Leute // das Ausleben der Kreativität am Kaffeehaustisch // Weltherrschaftsplanungsphasen und erste Websites // Zivildienstler // Sprachkunstaspirant // Blick in die Zukunft – verdammtes was nun, wir sind raus aus unseren Kinderschuhen // Firmengründung anno 2000 // Learning by Doing // 3D Stadtprojekte im Bürokratiehürdenlauf // Landflucht nach Wien // Designexpertisen // Barscribbles und Groszstadtdschungelleben // kooperative Printweltenblicke mit Bernsteiner // Fashion und Filmproduktionen // think NINC!

 

Hobbies:

01000110 01110101 01100011 01101000 01110011 00100000 01101101 01110101 01110011 01111010 00100000 01110100 01110101 01101110 00101100 00100000 01110111 01100001 01110011 00100000 01100101 01101001 01101110 00100000 01000110 01110101 01100011 01101000 01110011 00100000 01110100 01110101 01101110 00100000 01101101 01110101 01110011 01111010 00101110

 

Lebensmotto:

< keines >

 

Buchempfehlung:

das Haus (House of Leaves) // Mark Z. Danielewski

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